{"id":144,"date":"2005-07-11T21:36:41","date_gmt":"2005-07-11T20:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feylamia.net\/blog\/?p=144"},"modified":"2010-02-14T13:53:23","modified_gmt":"2010-02-14T12:53:23","slug":"sach-ma-gayts-noch-har-har","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feylamia.net\/blog\/2005\/07\/11\/sach-ma-gayts-noch-har-har\/","title":{"rendered":"Sach ma, gayts noch? (har har)"},"content":{"rendered":"<p>Ich sitze gerade im Zug am Laptop und mir ist langweilig, deswegen schreibe ich jetzt einige Dinge nieder, die ich der Welt schon immer mal sagen wollte.<\/p>\n<p>Gerade war ich bei einer Freundin zu Besuch, das war sehr nett. Nicht nur, weil ich besagte Freundin sehr  sehr gerne mag, sondern weil wir zu dritt und alle homosexuell waren. In einer idealen Welt (hui, englisch gedacht, deutsch geschrieben!) w&#228;re das egal, in dem Deutschland in dem ich lebe (und ihr vermutlich auch) allerdings ist es das nicht. Bei den meisten anderen Leuten kommt fr&#252;her oder sp&#228;ter die Rechtfertigungsphase, denn, egal wie offen und tolerant Heterosexuelle sind, irgendwann beschweren sie sich, man w&#252;rde seine Sexualit&#228;t zu sehr nach aussen tragen. &#8222;Ich erz&#228;hle ja auch nicht st&#228;ndig, mit wem ich ins Bett gehe!&#8220; &#8222;Mir ist v&#246;llig egal, ob jemand auf Analsex, auf SM oder auf sein eigenes Geschlecht steht!&#8220; sind nur zwei der vielen Kommentare, die ich schon bekommen habe. Ich kann mich nicht daran erinnern, st&#228;ndig jemandem erz&#228;hlt zu haben, wie der Sex mit T. ist.<br \/>\nFolglich komme ich zu dem Schluss, dass f&#252;r viele Heterosexuelle Homosexualit&#228;t nach wie vor keine &#8222;gleichwertige&#8220; Form der Liebe ist, sondern schlichtweg auf den sexuellen Akt reduziert wird. Wieso ist das so? Bei Heten wie bei Homos gibt&#8217;s die gleichen sexuellen Vorlieben&#8230; der eine lebt sie halt mit dem anderen Geschlecht aus und der n&#228;chste mit dem eigenen.<br \/>\n&#196;hnlich sieht&#8217;s mit dem &#8222;Hihi, ein Schwuler &#8211; schnell den Arsch an die Wand&#8220; und &#8222;Pass auf, die is&#8216; lesbisch!&#8220; aus. Gibt&#8217;s irgendeinen Ratgeber in dem heterosexuelle Jugendliche erkl&#228;rt bekommen, dass &#8222;Homosexueller&#8220; nur ein anderes Wort f&#252;r &#8222;omnisexueller Nymphomane&#8220; ist? Ja, ich verliebe mich in Frauen. Nein, nicht in jede. Daf&#252;r w&#252;rde meine Zeit gar nicht ausreichen, ausserdem bin ich mit meiner einen mehr als bedient. \ud83d\ude09<br \/>\nUnd wo ich gerade dabei bin&#8230; JA, ein Outing ist n&#246;tig und keineswegs &#252;berfl&#252;ssig. Wie oft habe ich schon geh&#246;rt, dass wir uns durch unser Outing eher abgrenzen w&#252;rden und wir, wenn wir nicht &#252;ber unsere Sexualit&#228;t reden w&#252;rden, viel eher akzeptiert werden. Ich denke, vielen Menschen ist nicht bewusst, wie sehr homosexuelle Teenies auch heute noch leiden. Nicht nur, dass &#8222;schwul&#8220; mittlerweile ein Synonym f&#252;r scheisse ist, nein, auch die neue deutsche Rapwelle versichert uns jeden Tag aufs neue, dass Schwuchteln das allerletzte sind und Lesben dagegen nur fickgeile Luder, die nur mal &#8217;nen richtigen Schwanz brauchen. (Auch ein Spruch, den ich so schon zu h&#246;ren bekommen habe.) Liebe Kinder, das stimmt so nicht. Guckt weniger Pornos und mehr vern&#252;nftige Filme!<br \/>\nDie Welt in der ich aufgewachsen bin ist heterosexuell gepr&#228;gt. Und zwar ohne Ende. Einziges m&#246;gliches Vorbild das ich hatte war Hella von Sinnen&#8230; naja, und sp&#228;ter dann Martina Navratilova (sp?). Beide nicht unbedingt erstrebenswert&#8230; wobei ich anscheinend dem Fr&#228;ulein von Sinnen &#228;hnlicher geworden bin, als mir und meinem Umfeld lieb ist. Vielleicht sind wir aber auch beide nur zuf&#228;llig lesbisch, dick und lustig und das reicht schon, um sich irgendwie &#228;hnlich zu sein.<\/p>\n<p>Ich kann mich daran erinnern, dass ich fr&#252;her dachte, ich m&#252;sse wohl ein Junge sein, weil ich in Anzug und Krawatte (von Papi gemopst) die Puppe meiner Mama heiratete. Und sowas tun ja wohl nur Jungs. Ich konnte auch eher Krawatten binden als mich schminken. (Und bin immer noch besser darin&#8230;) Kurzum: Ich war ein richtiger kleiner Tomboy. Geschnallt, dass ich lesbisch bin, habe ich letztendlich erst zu der Zeit als ich Abi machte. Vorher habe ich mich in Frauen verliebt aber als bi bezeichnet, weil&#8230; ja, warum eigentlich? Weil man einfach nicht lesbisch ist, basta. Das geh&#246;rt sich halt irgendwie nicht, die Nachbarn k&#246;nnten&#8217;s ja erfahren. Und dann denken die wom&#246;glich, meine Eltern h&#228;tten was falsch gemacht, dabei haben sie alles, alles richtig gemacht. Ohne meine Mutter h&#228;tte ich das nicht so schnell gepackt, dass ich eben anders und trotzdem okay bin. Madame erz&#228;hlte mir auch sp&#228;ter, sie h&#228;tte es schon gewusst, seit ich dreizehn bin&#8230; h&#228;tte sie&#8217;s mir bloss gesagt, sie h&#228;tte mir viel Elend erspart. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Ich kann mich daran erinnern, wie meine Biolehrerin mir mal scherzhaft sagte: &#8222;Carolin, wenn Du immer diesen schwarzen Nagellack tr&#228;gst kriegst Du nie &#8217;nen Jungen ab, das strahlt Tod und Verwesung aus. Probier&#8217;s doch mal mit Rot!&#8220;. Ich habe bis heute keinen roten Nagellack.<br \/>\nEgal, was ich eigentlich sagen wollte: So lange wie als default-Wert Heterosexualit&#228;t angenommen wird, so lange m&#252;ssen wir uns outen. Um uns zu ersparen, bei Familienfesten gefragt zu werden, ob wir denn &#8217;nen Freund haben, w&#228;hrend wir eigentlich nur in die Welt schreien wollen, dass wir &#8217;ne Freundin haben und die Frau die tollste Frau der Welt ist.<\/p>\n<p>Wer meint, ein Outing sei &#252;berfl&#252;ssig, der sollte sich die M&#252;he machen, mal einen Tag in die Welt zu gehen, Homosexualit&#228;t als Default-Wert anzunehmen und sich die Reaktionen angucken. Z&#228;hlt einfach mal, wie oft ihr am Tag mit Heterosexualit&#228;t konfrontiert werdet und wie oft mit Homosexualit&#228;t. Ihr werdet &#252;berrascht sein.<\/p>\n<p><em>*runter von der seifenkiste (oooh schon wieder englisch gedacht) und ab ins bett*<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze gerade im Zug am Laptop und mir ist langweilig, deswegen schreibe ich jetzt einige Dinge nieder, die ich der Welt schon immer mal sagen wollte. Gerade war ich bei einer Freundin zu Besuch, das war sehr nett. 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