{"id":2357,"date":"2010-05-09T14:31:47","date_gmt":"2010-05-09T12:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/feylamia.net\/blog\/?p=2357"},"modified":"2010-05-09T14:31:47","modified_gmt":"2010-05-09T12:31:47","slug":"jugendbewegung-genderrollen-lebensbuende-und-gedoens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feylamia.net\/blog\/2010\/05\/09\/jugendbewegung-genderrollen-lebensbuende-und-gedoens\/","title":{"rendered":"Jugendbewegung, Genderrollen, Lebensb&#252;nde und Ged&#246;ns"},"content":{"rendered":"<p><em>Letztes Jahr im Zuge einer Pr&#252;fungsvorbereitung angefangen, aber nie so ganz zu Ende geschrieben. Da wirds jetzt doch mal Zeit:<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/twitter.com\/Feylamia\/status\/6048279578\">Vor einer ganzen Weile<\/a> twitterte ich folgenden Satz, der es eigentlich verdient, nochmal genauer beleuchtet zu werden:<\/p>\n<blockquote><p>Der Wandervogel und b&#252;ndische Pfadfinder an sich ist personifizierte hegemoniale M&#228;nnlichkeit und sch&#228;mt sich dessen nichtmal. #erkenntnis<\/p><\/blockquote>\n<p>Vorweg: Klar ist das &#252;bertrieben, nicht alle sind so. Aber es gibt deutliche Tendenzen, die nicht nur mir immer wieder auffallen und die immer wieder Thema sind, wenn man sich mit anderen &#252;ber &#8222;die Szene&#8220; unterh&#228;lt. Und jetzt gerade war wieder Ottenstein angesagt, da kann man sich das ganze ja auch prima live ansehen, wie man mir berichtete.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWas meine ich damit? Naja, zuerstmal kurz was zu hegemonialer M&#228;nnlichkeit: Dieser Begriff bezeichnet die Art von M&#228;nnlichkeit, die am effektivsten den Fortbestand eines Patriarchats sichert. M&#228;nnerb&#252;nde sind sowieso schon einmal kleine Patriarchate, soweit so gut.<br \/>\nWarum aber nun sind B&#252;ndische so oft Vertreter der hegemonialen M&#228;nnlichkeit? Das kann ich nicht sagen. Ich habe nur immer und immer wieder erlebt, dass alle Werte, die in Fahrtenliedern hochgehalten wurden, nicht mehr viel wert waren, wenn es darum ging, sie ins eigene Leben zu tragen. Ritterliche Tugenden? Fehlanzeige, gelebt werden die von den wenigsten, die sie sich eigentlich gro&#223; auf die Fahne schreiben.<\/p>\n<p>Das &#228;u&#223;ert sich zum Beispiel darin, wie besagte M&#228;nner (also nicht alle, aber eben ein so gro&#223;er Teil, dass es nicht nur mir immer wieder auff&#228;llt) mit Frauen umgehen. Frauen sind Schm&#252;ckwerk, das erstmal einfach nur zu funktionieren hat. Ich hab das jetzt schon zig mal erlebt: &#8222;Blabla ich bin soundso. Hach, ich hab ja so ein tolles Verh&#228;ltnis zu meinen Exfreundinnen. (Ich werde Dich gut behandeln, auch wenn wir uns irgendwann mal trennen. Ich bin total toll!) Ja, mein Bund geht mir &#252;ber alles. (Ich bin total famili&#228;r! Ich bin total toll!) Kennst Du X, Y oder Z aus Bund A, B oder C, die sind doch da bei Dir in der Ecke? (Schau nur, wie viele Freunde ich habe! Ich bin total toll!) Ja, unsere letzte Fahrt ging nach bla blub, da gab&#8217;s schon auch schwierige Situationen, aber nichts, was man nicht unter Kontrolle gehabt h&#228;tte. (Schau nur, wie m&#228;nnlich, stark und kompetent ich bin! Ich bin total toll!) Du, ich finde Dich total nett\/interessant (schau nur, ich kann Komplimente machen! Ich bin total toll!) &#8211; wie w&#228;r&#8217;s, treffen wir uns mal privat?&#8220; Immer Schema F, immer in der Form sehr ausgepr&#228;gt gesehen bei solchen, die sich als jugendbewegt oder b&#252;ndisch definieren, vor allem bei solchen, die aus M&#228;nnerb&#252;nden kommen. Das legt schon fast nahe, dass es sich dabei einfach um ein Verhalten handelt, das in diesen Gruppen in der Form nicht nur gebilligt sondern auch unterst&#252;tzt wird.<\/p>\n<p>Im Gegenzug sehe ich immer wieder, wie Frauen darauf anspringen und die erst m&#252;hsam erk&#228;mpfte Emanzipation (als M&#228;dels auf Fahrt zu gehen ist immerhin nicht immer ganz leicht &#8211; da gibt es oft erstmal ordentlich Gegenwind von den Jungs im eigenen Bund (so solche vorhanden sind), den Freunden und der Familie) ein St&#252;ck weit aufgeben, um genau diesen M&#228;nnern zu gefallen. Dann steht sie im R&#246;ckchen am Herd, w&#228;hrend der Herr der Sch&#246;pfung am Wochenende auf der Burg seiner Wahl Zeilen wie &#8222;wir haben die Spie&#223;er &#228;ngstlich gemacht&#8220; schmettert, um dann nach Hause zu kommen, wo Liesbeth die Kinder ins Bett gebracht hat und die Erbsensuppe schon k&#246;chelt.<br \/>\nJa, die meisten dieser Damen meinen, im Haus (oder in der Kohte) die Hosen anzuhaben &#8211; aber ist das wirklich so, wenn sie so bem&#252;ht das gegenteilige Bild nach Au&#223;en tragen? Auch hier sehe ich dieses Verhalten eher in reinen M&#228;delb&#252;nden als in gemischten, wieder eher bei Jugendbewegten als bei &#8222;Standard-Pfadfindern&#8220;. Inwieweit ist die Nichtanwesenheit des anderen Geschlechts da wohl Grund daf&#252;r, dass hier so uralte Rollenbilder und Clich\u00e9s wieder ausgegraben werden?<\/p>\n<p>Klar, ich w&#252;rde l&#252;gen, w&#252;rde ich sagen, dass mich das nicht auch aus nicht-emanzipatorischen Gr&#252;nden ein wenig nervt. Denn fast jede Beziehung, die auf solcherlei Werben aufbaute, habe ich bisher zu Ende sehen gehen, einige davon mit richtig Anlauf und ordentlich Schwung und vielen Kollateralsch&#228;den in den jeweiligen Gruppen. Das ist nat&#252;rlich ziemlich traurig, wenn Unbeteiligte darunter leiden m&#252;ssen. Ein Grund mehr, warum ich nicht nachvollziehen kann, wie sehr die Lederhosencasanovas und Fahrtenrockdirnen in ihren Gruppen anscheinend auf R&#252;ckhalt stossen &#8230;<\/p>\n<p>&#196;hnlich interessant finde ich die Einstellung von vielen B&#252;ndischen zu Homosexualit&#228;t. (Da k&#246;nnte ich zig B&#252;cher dr&#252;ber schreiben, wie unglaublich homophob viele Jujatr&#228;ger sind &#8230;) Nun ist ja gerade der Wandervogel an sich da sowieso gerne mal seeehr sensibel (Gru&#223; von Hans Bl&#252;her ;)) &#8211; aber ein befreundeter Wundervogel erz&#228;hlte mir mal, dass man an sich kein Problem mit Schwulen habe. Man h&#228;tte sie nur aus den gleichen Gr&#252;nden nicht dabei wie Frauen: Liebe im Bund w&#252;rde die Dinge unn&#246;tig verkomplizieren.<br \/>\nUnd genau an der Stelle muss bzw. will ich aus den meisten Diskussionen &#252;ber das Thema aussteigen, weil ich merke, dass die Einstellung zum &#8222;Lebensbund&#8220; einfach so extrem unterschiedlich ist. Ich glaube: Lebensb&#252;nde jedweder Art sind immer kompliziert. Lebensb&#252;nde sind immer von starken Emotionen gepr&#228;gt. Lebensb&#252;nde an sich sollten &#252;ber allem erhaben sein. Und der Lebensbund, den zwei sich liebende Menschen nochmals ganz bewusst innerhalb ihres Bundes schliessen, ist eigentlich das Gr&#246;&#223;tm&#246;gliche, das fast Unerreichbare. (Wobei mir durchaus bewusst ist, dass das Konzept &#8222;Lebensbund&#8220; ganz sch&#246;n ausgenudelt ist und die meisten, die davon sprechen, es nicht wirklich so leben, wie ich es eigentlich hoffen w&#252;rde.)<br \/>\nIch glaube, ich kann mir nichts besseres vorstellen, als innerhalb des eigenen Stammes, Bezirkes, Bundes, was auch immer die Frau f&#252;rs Leben zu finden. Zu wissen, dass man Werte und Normen teilt, zu wissen, dass man den R&#252;ckhalt in dieser gro&#223;en Familie hat und weiterhin haben wird &#8211; das ist eigentlich die gr&#246;&#223;tm&#246;gliche emotionale Erf&#252;llung?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztes Jahr im Zuge einer Pr&#252;fungsvorbereitung angefangen, aber nie so ganz zu Ende geschrieben. 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