Verhalten in Gefahrensituationen und so

Man denkt ja immer, dass man in einer Gefahrensituation ganz cool bleibt und sich dem Gelernten entsprechend verhält. Bei ’nem wilden Hund also Abstand hält und so. Seit gestern Abend weiß ich, dass ich nicht so bin, ich bin blöd und habe Glück.

Gestern wollte ich mal früh ins Bett gehen und wollte vorher noch mit Mutter und Hund den obligatorischen Abendspaziergang durchführen. Plötzlich schoß aus einer Einfahrt ein riesiger Schäferhundmischling (natürlich ohne Leine und ohne Maulkorb) und bevor ich überhaupt wusste, was passiert, hatte dieser Riese meinen kleinen Herrn Hund gepackt und biss fies knurrend zu. Man lernt immer, dass man bei sowas, so hart das auch ist, Abstand halten soll. Ich dagegen bin keinen Zentimeter zur Seite gewichen und habe in gebückter Haltung darauf gehofft, dass das Biest kurz von meinem Kleinen ablässt, damit ich ihn mir schnappen kann. Normalerweise trage ich Abends meiner Wanderschuhe oder Docs, nur gestern hatte ich weiche Halbschuhe an, die eingelaufen werden wollen. In dem Moment, als der Hund dann meinen Kleinen an einem Bein schnappte und wild durch die Gegend schleuderte habe ich wirklich gedacht: „Das war’s. Mit den anderen Schuhe könntest Du zutreten und irgendwas machen, so geht das nicht. Du bist schuld, dass Dein Hund zerfetzt wird.“
Irgendwann hat der große Hund dann abgelassen, die Besitzer haben ihn sich geschnappt und ich habe meinen Kleinen, jetzt wild kläffend und zitternd geschnappt. Da dann erst gemerkt, dass ich mir den Fuß angeknackst habe, als dieses Kalb von Hund gegen mich prallte, während es meinen Kleinen malträtierte.
Die Besitzer haben sich auch okay verhalten, fand ich – gesagt, wir sollten im Licht gucken, ob alles in Ordnung ist. Wir haben dann gesagt, wir schauen zu Hause genauer nachen und melden uns sonst. Die Frau meinte auch, sie schäme sich und so. Also okay – war ja für beide Parteien eine echt beschissene Situation und die als Besitzer des aggressiven Tiers waren sicher genau so überfordert wie wir.
Mein kleiner hat jetzt nicht groß geblutet (was meiner Meinung nach ein Wunder ist!) und wir haben den Spaziergang noch beendet, wenn er auch ein wenig humpelte. Zu Hause nochmal geguckt, aber er hat wirklich nur an einer Stelle geblutet, das war echt okay und wirklich nicht so wild. Der Schock war schlimmer als alles andere, für uns alle, glaube ich.
Sowas ist scheiße, aber es kann passieren. Unvernünftige Hundehalter gibt’s immer und das weiß ich im Prinzip auch. Und so ’nen Hund an der Hauptstraße direkt rauszulassen ohne Leine ist unvernünftig (ruckzuck rennt er vors Auto) und hier im Dorf gibt es viele Hunde, also noch unvernünftiger. Aber das kann nicht jeder wissen. Kann ich mit leben, finde ich scheiße, ist aber so.

Dann hat mir meine Mutter erzählt, die Halterin des Hundes hätte eine Hundeschule. Ich schaue also auf die Seite und stelle fest, dass ihr Hund „angstaggressives Verhalten“ an den Tag legte und das so ein wenig die Motivation für „ihre Hundeausbildung“ war. Aus der Haustür rennen und den erstbesten Hund anfallen ist nicht angstaggressiv, sondern aggressiv, finde ich. Aber das ist auch egal. Wichtig ist, dass die Frau es besser weiß. Die weiß, dass ein Hund an die Leine gehört (und dass an der Leine nicht gespielt wird – nur für den Fall, dass jemand meint, das oben wäre nur gespielt). Gespielt wird nur, wenn beide Hunde abgeleint sind. Sie weiß auch, wie wenig Chancen ein angeleinte kleiner Hund gegen einen Großen hat und wie gefährlich es ist, wenn sich die Leinen verkeilte Hunde verheddern. Und vor allem: Sie weiß, dass ihr Hund zu aggressiven Handlungen neigt.
Ich hätte nicht übel Lust, da mal richtig Stress zu machen. Der Hund gehört an die Leine, das steht außer Frage. Und ein Maulkorb wäre da wohl auch mehr als angebracht. Sorry, aber sowas kann und darf der Besitzerin einer Hundeschule nicht passieren.


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