dichotomy We're all in the gutter, but some of us are looking at the stars. (Oscar Wilde)

15. September 2026

Die Stadt, die es doch gibt

Filed under: Das Leben. Das Universum. Und alles. — Tags: , — Feylamia @ 18:50

Momentan bin ich einmal wöchentlich in Bielefeld – zum Glück nur ganz am Rande, aber das reicht schon, um einerseits beglückt zu sein, dass ich nicht mehr in der Großstadt wohne, und andererseits ein wenig wehmütig, weil es schon praktisch ist, wenn man so viele Einkaufsmöglichkeiten im engeren Umkreis hat. Ob ich allerdings jemals wieder in einer großen Stadt wohnen wollen würde? Ich weiß ja nicht. Angesichts des Klimawandels ist es schon schön, nicht in Betonwüsten existieren zu müssen. (Ja, ich weiß – Bielefeld ist sogar ziemlich grün im Vergleich zu anderen Städten. Aber im Vergleich zum Dorf oder zur Kleinstadt ist es eben trotzdem grau.)

14. September 2026

Endlichkeit …

Filed under: Körper 2.0 — Tags: , , , , , — Feylamia @ 17:28

… ist ja auch echt gruselig irgendwie. Ich bin mittlerweile in einem Alter und in einem Zustand, in dem man sich mit der eigenen auseinandersetzt. Deswegen habe ich mittlerweile nicht nur meinen alten Organspendeausweis (den hab ich seit den 90er-Jahren), sondern auch eine Patient*innenverfügung und ein Testament.

Um den digitalen Nachlass müsste ich mich eigentlich noch kümmern. Aber da weiß ich gar nicht, wem ich die ganze Datensortiererei aufbürden soll – das wird sicher noch schlimmer als bei der Rollenspielsammlung und dem ganzen Schreibkram und so. Huiuiui.

8. September 2026

Verskillt und zugenäht

Früher habe ich mich immer gefragt, wie die anderen es schaffen, so zu tun, als würden sie klarkommen.

Ich war knapp 40, als ich so richtig realisiert habe, dass die nicht nur so getan haben. Ich hab nur mein Leben auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gespielt und deswegen einfach sehr viele Nebenquesten gemacht und mich deswegen unterwegs ein wenig verloren und dann eben viel viel später erst die richtige Klasse wählen können. Ooopsn.

A Diagnosis - feat. Rachel Bloom - "Crazy Ex-Girlfriend"

3. September 2026

No return, no return, no reason

Ich sprach dieser Tage mit neugewonnenen Freundinnen darüber, dass es eigentlich ein paar Themen in meinem Leben gibt, die ich früher verbloggt hätte, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich das Schreiben verlernt habe. Darlene sagte dann etwas Kluges (macht sie häufig, es ist grauenhaft!): „man darf auch bloggen wenn man nicht schreiben kann. das internet ist ein wilder ort“. Und da hat sie ja auch Recht. Man kann ja heutzutage alles in diesem Internetz tun – und ganz besonders auch Schindluder treiben, wenn man mag. (Sogar Jan habt ihr haben die Flitzpiepen damit vertrieben. Es ist mir ein Graus!)

Ich beobachte das alles irgendwie mit großem Abstand und irgendwie trotzdem von innen. So richtig damit abgefunden, wie sich das Netz verändert hat, hab ich mich einfach noch nicht. Nicht ohne Komik, denn es wird mittlerweile wirklich schon seit geraumter Zeit shittifiziert.

Naja, aber wir können ja trotzdem noch unser Ding machen hier. Ich will schließlich meinem Sohn mal ein digitales Lebenswerk hinterlassen, das ihm Freude bereitet. ?

Apropos Freude: In November kommt die vierte und letzte Staffel Yellowjackets. Ne, was hat mich diese Serie abgeholt. Lord of the Flies, but make it feminist. Wie könnte ich das nicht lieben?! (Und vom fabelhaftern Soundtrack fange ich gar nicht erst an.)
Wie schön, zwischen all den Belanglosigkeiten zwischendurch Diamanten wie Arcane oder eben Yellowjackets zu finden.

Yellowjackets (2021) Official Trailer | SHOWTIME

Und ich bin nicht alleine mit meiner Liebe. Alanis Morrissette war so begeistert von der Serie, dass sie direkt den Theme Song gecovert hat. Wie nice ist das denn?!

No Return (Extended Version From The Original Series “Yellowjackets”)

21. Januar 2026

Das Leben ist seltsam …

Filed under: Das Leben. Das Universum. Und alles.,Zockerschock — Tags: , — Feylamia @ 18:28

Kaum eine andere Videospielreihe hat mich in den letztenknapp vierzig Jahren so sehr abgeholt, durchgerührt und roh wieder ausgespuckt wie Life is Strange.
Und nun wurde ein letzter Teil mit Chloe und Max angekündigt. Ich flipp aus, ey. Geilomat.

21. Januar 2025

Musikalien

Ich erlebe das nicht mehr so ganz häufig, dass mich Stimmen direkt umhauen und … Dinge mit mir tun? In den letzten Jahren, seit Beginn der Pandemie, ist es aber ein paar Mal vorgekommen. Warum also nicht erzählen davon?

Da wäre zum Beispiel Sierra Eagleson:

Solsbury Hill - Peter Gabriel (Sierra Eagleson Cover)

Und Chase Holfelder:

MAJOR TO MINOR: What Does "How Far I'll Go" Sound Like in a Minor Key? (Moana Cover)

Oder auch Yungblud, dem ich meine ADHS-Diagnose zu verdanken habe. (Uff, ja, das Thema ist auch sehr blogbar …)

YUNGBLUD - mars (Official Video)

Gleich drei auf einen Streich. Nice.

18. Januar 2025

Feylamia in den Schatten

Ich denke dieser Tage aufgrund der politischen Weltlage viel darüber nach, wer ich eigentlich sein will und mit wem ich mich umgeben will. Und dabei hinterfrage ich natürlich auch immer wieder meine Social-Media-Nutzung, insbesondere jetzt die beim Meta-Konzern. Die leichengefledderte einbuchstabige Version von Twitter habe ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt.

Dabei ist mir aufgefallen, dass doch relativ viele Leute soziale Netzwerke mittlerweile komplett boykottieren und sie als unsozial ablehnen. Und den Grundgedanken kann ich sogar irgendwie nachvollziehen, aber nichtsdestotrotz halte ich diese Einstellung für schwierig und tatsächlich auch ableistisch. Denn zu sagen: „Wir kehren jetzt zurück zu ‚normalen sozialen Kontakten‘ und gehen weg von den sozialen Netzwerken und vom Internet.“, das funktioniert natürlich nur, wenn man Teil der privilegierten Mehrheitsgesellschaft ist, die überhaupt soziale Kontakte im „echten Leben“ haben kann. Das waren schon vor der COVID-19-Pandemie nicht alle – und seit die Pandemie wütet noch viel mehr nicht.

Leider zähle ich mich mittlerweile auch zu denjenigen, für die das Konzept „Party like it’s 1999“ nicht mehr tragbar ist. Zum Einen, weil ich schon so viele gesundheitliche Baustellen habe, dass ich mir persönlich eine Multiorganerkrankung mit potenziell weitreichenden oder gar fatalen Folgen nicht leisten kann und will, zum Anderen auch, weil ich meine Familie schützen und auch aus ethischen Gründen nicht an einem mass disabling event teilhaben will. Naja, und wenn man ganz ehrlich ist, sind viele Arten von Treffen dann einfach nicht mehr oder nur schlecht möglich. Vor allen Dingen in der Öffentlichkeit. Zumindest nicht, wenn man keine Lust auf Anfeindungen oder gar Übergriffe hat.

[Ich finde als Rollenspieler*in den Gedanken übrigens super charmant, dass man bei Familien, die wegen des fehlenden Schutzes seit der Pandemie nicht mehr am regulären Leben teilhaben können, von „Schattenfamilien“ spricht. Familien in den Schatten. Deutschland in den Schatten. Und um uns rum die Konzerne, die alles kaputt machen. Wild, oder, Chummers?]

Aber Dank sozialer Netzwerke kann ich eben trotzdem soziale Kontakte haben. Viele von diesen mit Menschen, die ebenfalls vorerkrankt sind oder vorerkrankte Angehörige haben. Und mit Menschen in ganz Deutschland, sogar auf der ganzen Welt. Das ist klasse. Das möchte ich nicht missen.

Womit ich aber natürlich d’accord gehe: Tech-Bros und Konzerne sollten nicht über soziale Netzwerke bestimmen können. Menschen und ihre Daten sollten kein Produkt sein. Deswegen ist für mich das Fediverse eigentlich die einzige gangbare Lösung. Und eine wirklich schöne noch dazu.

17. Januar 2025

The Queerest of the Queer

Ich habe wieder angefangen, Blogs von „den Leuten von früher“ zu lesen. Warum? Midlife Crisis, vermutlich. Also, in meinem Fall dann eher 2/3 Life Crisis. Aber egal.

Naja, und nun schneie ich hier jetzt 7,5 Jahre später in den Diskurs nebenan bei jan. Gerade bei der Diskussion, wer sich bei „queer“ mitgemeint fühlen kann und darf, gibt es so viel Gatekeeping. Dabei sollte es ganz simpel sein: Wirst Du von der Mehrheitsgesellschaft geothert wegen Deiner Art, zu lieben (oder nicht zu lieben) oder Dein Geschlecht zu erleben, dann bist Du queer. Herzlich willkommen im Club. Hier ist Dein Toaster.
Und ich erwähne einfach mal so nebenbei, dass genau jan & ben zwei von unter fünf Männern sind, die mir als Gegenbeispiel einfielen, als ich gestern mit einer Bekannten darüber sprach, dass eben doch ALL cis men trash sind. (Bis mir ein cis Mann das Gegenteil beweist, indem es auch nach seinem Tod keine Frau gibt, die toxische Kackscheiße über ihn aufdeckt, gehe ich erstmal davon aus, dass er Dreck am Stecken hat. Ich kann die Datenlage da einfach nicht länger ignorieren.) Die beiden sind für mich weit genug aus der toxischen Männlichkeit raus, dass ich sie auf einer Skala 1 Mann bis 10 Frau niemals auf die 1 packen würde? Trotz Vollbart und Seemannsoptik, lieber ben, sorry, Du bist einfach zu wenig scheiße für 100 % Männlichkeit. Oder Du bist halt schon über die 100 % hinaus? So männlich, dass man das einfach nicht mit toxischem Quark beweisen muss? Weiß auch nicht. Aber mittlerweile fällt es mir schwer, Männlichkeit nicht mit Toxizität zu verknüpfen, weil es sie so verdammt selten ohne gibt.

Arcane

Ich war super late to the party – Staffel 1 von Arcane ist schließlich schon 2021 erschienen. Zu meiner Verteidung: Ich bin ja eh nicht so für animierte Werke und mit League of Legends habe ich wirklich so GAR nichts am Hut. Aber ich habe über die Jahre immer wieder gelesen und gehört, wie unglaublich gut die Serie ist. Und ich wusste, dass sie irgendwie queer oder queer adjacent ist? Also habe ich mal reingeschaut, nachdem die 2. Staffel erschienen und klar war, dass die Serie in zwei Staffeln in sich abgeschlossen ist. Denn ganz ehrlich: Ich brauche keine weitere Serie, die gecancelt wird, weil ungefickte Nerdjungs Heuli-heuli-Kampagnen im Internet starten, weil die fiktive Trulla lieber Frauen küsst und deswegen sowieso alles scheiße ist, jawohl.

Arcane | Official Trailer | Netflix

Nun ja, lange Rede, kurzer Sinn: Ich habs geschaut. Und was für ein Meisterwerk wäre mir da bitte entgangen? Fabulös! Ich war schon lange nicht mehr so begeistert, dass ich am liebsten meine Ex-Film-Professorin angerufen und über eine Serie gesprochen hätte. Cinematographisch der Kracher, wie man sich einfach immer wieder mal die Constrants von Realfilmen selbst auferlegt und deswegen Einstellungen animiert hat, die mehr old school nicht sein könnten. LIEBS!

Und über den Soundtrack müssen wir nicht sprechen. Grandios.

King Princess - Fantastic (from Arcane Season 2) | Live From Vevo Studios

Hätte ohne Arcane womöglich niemals King Princess entdeckt. Was für eine Schande das gewesen wäre!

15. Januar 2025

Das Internetz* und die Radikalisierung

Ist es Radikalisierung, wenn man langsam zur Erkenntnis gelangt, dass vermutlich nur Gewalt uns noch vor Patriarchat und Menschenfeindlichkeit schützen kann, weil alle anderen Mittel erschöpft sind? Oder wäre es nicht viel mehr Notwehr, wenn LGBTQIA+ und migrantisierte Menschen irgendwann zu Gewalt, gar zur Waffe greifen? Wie viele Jahrhunderte, Jahrtausende müssen wir Gewalt an uns eigentlich hinnehmen, bis wir uns wehren dürfen? Man weiß es nicht.*

* Glaube nicht, dass das Internet schuld ist. Glaube nur, dank Internet wissen die Ausgegrenzten voneinander und sind nicht mehr allein.
** Aber Mann weiß es natürlich schon. Also, alter, weißer Mann. Und der sagt: Für immer.

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