nicht wissen, was man tut

Andernblogs bin ich über „fucking faggots“ gestolpert – das ist ja bekanntermassen das „doofmann“ der Gamerszene. Als ich darauf hinwies, dass ich sowas nicht so schön finde, kamen zwei Reaktionen:

  • Vom Blogschreiber unter den Namen Der Homophob ein „Bist Du schwul oder was?“
  • eine „wenn’s dir nicht passt, dann logg dich doch aus und mach mal real life“-Arie von einem Leser

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das eigentlich immer wieder antue, über (vor allem unterschwellig) homophobes zu schreiben und die Leute darauf hinzuweisen, dass das nicht okay. Als Resultat daraus ergeben sich für mich sowieso immer wieder negative Konsequenzen. Wie oft habe ich schon gehört, ich würde mich über meine Sexualität definieren oder ich würde sie zur Schau tragen, ich sei „penetrant lesbisch“ und heutzutage müsste das doch nicht sein.
Das Problem an der Sache ist nur, dass das anscheinend eben doch sein muss. Als ich mit meiner Freundin vor einigen Jahren Zug gefahren bin, sassen da ein paar Jungs, starrten uns an und meinten dann irgendwann „Seid ihr etwa lesbisch?“ Wir haben lediglich Händchen gehalten, wohlgemerkt. Also nicht unsere Sexualität zur Schau gestellt, sondern höchstens unsere Nähe oder meinetwegen auch, dass wir uns lieben. Aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Homosexueller ein Heteropaar angestarrt hätte: „Seid ihr etwa hetero?“
Klar, dann heisst es wieder, „Ja, aber Homosexualität ist eben nicht so verbreitet!“ Ja, und? Linkshänder oder Rothaarige gibt’s noch weniger als Homos, da kommt keiner hintenrum angeschissen: „Boah, schreibst Du etwa mit links??“

Vielleicht sollte ich mir einfach einen rosa Winkel annähen, mich im Bus nach hinten setzen und nur noch heimlich verliebt sein. Einfach Herz und Hirn ausschalten, wenn ich täglich im Film, Funk und Öffentlichkeit mit Homophobie konfrontriert werde. Einfacher wär’s bestimmt. Aber wenn alle so denken, dann wird sich nie was ändern und klein Ernst aus der Provinz schlitzt sich die Arme auf, weil er sich in Fritz verliebt hat. Und dann fühl ich mich schuldig. Egal was ich tu, gearscht bin ich immer. Schöner Mist.

So, jetzt wieder weg vom nöligen Exkurs und hin zu dem anderen Blog und dem, was da geschrieben wurde. Da der Schreiberling offensichtlich Kevin Smith mag, habe ich das Gucken von Chasing Amy empfohlen, da kann er noch was lernen:

ALYSSA
So your friend’s quite the homophobe.

HOLDEN
He just feels left out, I think.

ALYSSA
I’m not talking about his infantile hang-up with me. I’m talking about when you two were playing that game. Everytime he swore – when his players messed up, he called them cocksuckers, he referred to the players as queers, he called you a cock-teaser…

HOLDEN
I thought he was talking to you.

ALYSSA
I know you think it means nothing, and it may in fact be unintentional, but it’s ugly all the same.

HOLDEN
He was just pissed he was losing.

ALYSSA
So he slams the gay community?

HOLDEN
C’mon. Don’t get all p.c. on me.

ALYSSA
I’m not. But what is that saying?

HOLDEN
It says he gets too easily frustrated.

ALYSSA
It’s passive/agressive gay-bashing.

HOLDEN
How do you figure?

ALYSSA
How casually did it roll off his tongue? And that’s how he expresses his anger? By calling people faggots?

HOLDEN
I think you’re reading too much into it.

ALYSSA
I think you’re just so used to it that it rolls off your back. I’ve heard the two of you play your little rank out game where one insists the other is gay. (as the boys) „You’re a faggot. No, you’re a faggot.“ It’s cute and all to watch you go at it like grade-schoolers, but it’s also offensive – labeling and ducking the label of being gay as if it were the scarlet fucking letter.

HOLDEN
You’re blowing this way out of proportion. We live in a more tolerant age now. You refer to yourself as a dyke. Hooper calls himself a faggot all the time…

ALYSSA
Yeah, but that’s what’s known as empowerment/ disempowerment. I call myself a dyke so it’s not too devastating when some throwback screams it at me as I’m leaving a bar at night.
Same for Hooper – by calling himself a faggot, he steals the thunder away from the mouthy jerks of this world who’d like to beat him to it. But the difference between us having it and your friend saying it is miles wide.
We say it to mask the pain – you say it for lack of a better expression at any given moment. No Holden, we do not live in a more tolerant age. And if you think that’s the case, then you’ve been in the suburbs way too long to be resuscitated.

Ist eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen, finde ich, und ist immer noch wahr, obwohl der Film von 1997 ist.


5 Kommentare

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    wunderpott schreibt:

    Wenn alle Menschen vernünftig wären, dann wäre die Welt nicht, wo sie jetzt ist. 🙁

    http://gutenberg.spiegel.de/goethe/gedichte/regenbo2.htm

    am Dienstag, 21. Februar 2006 um 8:46
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    Carolin schreibt:

    Langsam aber sicher beschleicht mich das Gefühl, dass wir vielleicht wirklich nicht normal sind. 😉

    am Dienstag, 21. Februar 2006 um 9:11
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    famone schreibt:

    ich denke, mit homophoben Schubladendenken wird man (würde ich jetzt „frau“ schreiben, käme vermutlich aus eben genannter Ecke ein stichelndes „Auch noch ne Emanze??“) immer wieder aufs neue konfrontiert werden, daran führt als Randgruppe wohl kein Weg vorbei. Aber jede Situation, in der ausgerechnet das nicht geschieht, z.B. ein lesbisches Paar sitzt auf einer Bank, engumschlungen, vielleicht auch küssend, und Vorbeigehende grinsen und sagen vielleicht „Ach, muss Liebe schön sein“ oder „Guck mal, wie süß die beiden!“, ist um soviel mehr wert und lässt einen doch das ganze andere umso erträglicher werden, weil man weiß, dass nicht jeder so denkt.
    Aber ok, ich muss zugeben, vor 10 Jahren war die Wahrscheinlichkeit Letzteres zu erleben wesentlich geringer als heute. 😉

    am Dienstag, 21. Februar 2006 um 17:17
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    J. schreibt:

    Oh ja… das ist mir letztens auch passiert. Meine Polyamory-Diplomarbeit (bisher nur als Idee existent) wurde mir ziemlich um die Ohren gehauen. Ich müsste ja wohl auf jeden Fall die Paarbeziehung zugrundelegen, so wäre das nunmal, und überhaupt, ob ich nicht ein Alibi für meinen Lifestyle herbeiforschen wolle.
    Puh. War die erste Situation in der Art (war auch das erste Mal, das ich (als Ich, und nicht als „freies lieben“) öffentlich damit wurde.
    Minderheit sein macht überhaupt keinen Spaß…
    Naja, immerhin hat sich die Person jetzt entschuldigt, und eingesehen, dass sie normativ war. Das ist gut.

    am Sonntag, 26. Februar 2006 um 19:02
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    Carolin schreibt:

    famone – Da hast Du Recht. Ich habe das Glück, dass meine Eltern wenig bis keine Probleme mit meiner sexuellen Orientierung haben. („wenig bis keine“ deswegen, weil sie sich wünschen, dass ich’s im Leben einfach habe und da wäre es als Hete einfach besser… hihi)

    Jan – Oha, Du Armer – das ist ein Scheiß Gefühl, ich weiß. Wollen wir mal hoffen, dass Dir sowas in Zukunft erspart bleibt.

    am Donnerstag, 2. März 2006 um 16:05

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