dichotomy We're all in the gutter, but some of us are looking at the stars. (Oscar Wilde)

1. Juli 2010

Ach Mensch, die Liebe

Filed under: Das Leben. Das Universum. Und alles.,Kabale und Liebe — Schlagwörter: , , — Feylamia @ 22:51

In den letzten anderthalb Jahren habe ich zig Trennungen in meinem Bekanntenkreis mitbekommen und ich bin ja auch immer da, um jemandem mein Ohr zu leihen. Aber trotzdem weiß ich manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich mir manche Dinge so anhöre. Leute, ganz im Ernst, so schwierig ist das nicht. Wenn sie euch scheiße behandeln, dann lieben sie euch nicht so sehr, wie ihr das verdient. Ganze einfache Geschichte. Da muss man auch gar nicht groß diskutieren oder sich für den Partner rechtfertigen oder so. Und wenn sich eure Partner plötzlich als Arschlöcher entpuppen, dann könnt ihr das ruhig sagen – niemand denkt, dass ihr die Schuld dafür tragt. Manche Menschen können andere einfach erst gut täuschen, vor allen Dingen, wenn noch eine rosarote Brille im Spiel ist. Ihr müsst euch dann nur entscheiden, ob ihr damit leben könnt, dass ihr euch unter Wert verkauft, oder ob ihr geht und jemanden sucht, der euch verdient.
Ja, okay, ist scheiße. Finde ich auch, ich hab‘ das ganze Elend ja nun letztes Jahr selbst mitgemacht und kann mich daran erinnern, wie doof sich das anfühlt. Aber im Endeffekt verliert man besser einen Partner oder Freund als seine Würde!*
So, Wort zum Sonntag ist fertig. Jetzt geh ich weiter an meiner Präsentation schrauben und dann gucke ich Dorian Gray an. Hui.

* Erinnert mich da bitte gegebenenfalls dran, sollte ich mich jemals wieder anschicken, mich in Beziehungselend zu manövrieren, das in irgendeiner Form Versteckspiele, Lügen oder große Altersunterschiede beinhaltet! 😉

27. Juni 2010

Von Fußball und Fans

Ich habe das ja schon öfter durchscheinen lassen, dass ich Fußballfans nicht immer für die angenehmsten Zeitgenossen halte. Das liegt daran, dass Fußballfans irgendwie oft mutieren, wenn sie sich in größeren Gruppen zusammenrotten. Dann werden sie laut & unangenehm, sie vandalieren und randalieren. (Jaja, das passiert bei anderen Gruppen auch. Das bekomme ich nur nicht so oft am eigenen Leibe zu spüren. Aber Fußballfans? Armina-Fansticker auf Friedhofsschildern, vollgekotzte und mit Bier versiffte Züge, blockierte S-Bahnen, homophobe Gröhlereien – da kommt irgendwie einiges zusammen, da kann ich mitreden, das betrifft mich und mein Leben.)

Ja, klar, bei ’ner WM rechnet man damit, dass in der Innenstadt Ausnahmezustand herrscht. Aber das heißt nicht, dass das so in Ordnung wäre. Wenn an einem Wochentag nachts laut rumgetrötet wird oder Straßen ewig versperrt werden, dann ist das eine Frechheit. Da muss man auch gar nicht drüber diskutieren, finde ich.

Ich hoffe inständig, dass die Leute, die sich im großen Stil beschweren, wenn jemand seinen Unmut äußert, irgendwann mal einsehen, dass andere Menschen vielleicht gute Gründe haben, dieses Verhalten von Fußballfans scheiße zu finden.
Liebe Fußballfans: Was, wenn es euer Kind ist, das nachts um vier von den Tröten geweckt wird und nicht wieder einschläft? Oder wenn ihr diejenigen seid, die bangend auf den Notarzt warten, der nicht durchkommt, weil ein Autokorso den Weg versperrt, während ein geliebter Mensch in euren Armen fast verreckt? Ganz im Ernst: Es gibt kein schlimmeres Gefühl als auf einen Krankenwagen zu warten und nicht zu wissen, was ist. Nur zu wissen, dass euer gesamtes Leben irgendwie gerade auf der Kippe steht und im Prinzip nur der Zufall und die Vernunft wildfremder Menschen darüber entscheiden, was passiert.* Denkt halt einfach mal ein wenig nach, bevor ihr es euch auf der Kreuzung bequem macht.

Man kann durchaus auch feiern, ohne andere Menschen so zu beeinträchtigen.
Ich finde das toll, wenn Fußballfans Spaß haben. Wirklich. Selbst, wenn sie Spaß an einem Spiel haben, das ich einfach so gar nicht gut finde. Fair enough. Ich mag ja Basketball und Windsurfen – mag auch nicht jeder. Aber ich beschwere mich auch nicht, weil andere meine Leidenschaft für Ball-in-Korb und Segel-in-den-Wind nicht teilen. Egal, ich bleibe dabei: Feiern geht auch freundlich. (Und dann machen vielleicht sogar diejenigen mit, die mit Fußball eigentlich nichts am Hut haben.)

* Jaja, klar, „damit rechnet ja keiner“ und „das ist ja nun wirklich nicht die Regel“. Toll für Menschen, denen das so geht. Aber bitte nicht den Blick verlieren für diejenigen, die eben nicht so viel Glück haben und für die solche Gedanken traurigerweise zum Alltag gehören. Mann.

24. April 2010

Bisexualität und so

Bei afterellen bin ich vor einer Weile über einen Link zu What It’s Like to Be With a Girl — A Must-Read for the Sexually Curious gestolpert und fand es ganz interessant, über eine Lesben-Bisexuellen-Beziehung mal von der anderen Seite zu lesen.
Besonders „Many lesbians will patently not date bisexual girls, which I find ridiculous“ kenne ich gut – die Diskussion kommt immer mal wieder auf, wenn Lesben sich unterhalten. Bevor ich selbst eine Beziehung mit einer Bisexuellen hatte, habe ich das nie verstanden, mittlerweile sieht das etwas anders aus. Wie so oft muss man das wohl selbst mal erleben, um sich eine Meinung zu bilden. 😉

Das Problem ist allerdings für die meisten Lesben weniger die Bisexualität einer Frau an sich als

  1. die Tatsache, dass sehr viele Bisexuelle früher oder später den einfacheren Weg wählen und sich dafür entscheiden, nur heterosexuell zu leben (vor allen Dingen dann, wenn sie mit Homophobie konfrontiert werden) und
  2. Bisexuelle eher dazu neigen, sich nicht zu outen, was eine Beziehung natürlich deutlich erschwert.

Bei afterellen fragte man gestern „Would you date someone who isn’t out to her family?“ – eine fiese Frage, eigentlich, weil es ja immer auf die Begleitumstände ankommt. Ich muss da ein entschiedenes „Jein“ antworten.

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17. März 2010

Lieber keinen Abiball, als zwei Mädchen auf ’nem Date

Filed under: Queerschläger — Schlagwörter: , , , , , , — Feylamia @ 2:17

So richtig durch die Medien gehen wird das hier in Deutschland wohl nicht, aber ich möchte mich trotzdem – oder gerade deswegen – ein wenig darüber auslassen:
Die Itawamba County Agricultural High School in Mississippi hat sehr spezifische Regeln, was ihr Prom (amerikanische Entsprechung zum Abiball) angeht: Es dürfen keine gleichgeschlechtlichen Paare hingehen. Nun wollte aber sich aber eine junge Dame namens Constance McMillan gerne in Anzug und Krawatte schmeißen und mit ihrer Freundin zum Ball gehen. Geht aber nicht, findet die Schule und sagt einfach mal den Ball ab. Warum? „due to the distractions to the educational process caused by recent events“

Na fein, gut gelöst. Einfach mal alle Schüler dafür bestrafen, dass das Mädel ihre Freundin mitbringen wollte. Nun ist sie für einige wohl der Buhmann, aber andererseits schlägt der Fall drüben in den Staaten so hohe Wellen, dass vielleicht noch positive Nachwehen kommen.
Dass Wanda Sykes Constance jetzt eingeladen hat, ihr einen GLAAD* Award zu überreichen, ist nur eine davon – das finde ich großartig. So gibt’s direkt noch ein wenig mehr Medienaufmerksamkeit und mit etwas Glück überdenkt der eine oder andere betagte Schuloffizielle seine Meinung nochmal. Gute Publicity für die Schule ist das auf jeden Fall nicht.

Ich weiss immer nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich von so etwas höre. Ständig bekomme ich zu hören, wir Homosexuellen sollten uns mal nicht so anstellen, es gäbe doch kaum noch Diskriminierung, im Gegenteil, wir würden sogar bevorzugt werden. Sehe ich nicht. Ich kann in Deutschland immer noch nicht heiraten, die Lebenspartnerschaft ist der Ehe rechtlich noch nicht angeglichen und in Amerika könnte ich mit etwas Pech noch nichtmal die Person mit zum Abiball nehmen, die ich liebe. Das ist bekloppt, da fehlen einem doch die Worte.

[denglischmodus] Gleichberechtigung my arse. [/denglischmodus]

* Gay & Lesbian Alliance Against Defamation

15. März 2010

CSD Bielefeld auf Twitter

Das CSD-Team Bielefelds twitterte eben

Morgen Abend 20:uhr inna AIDS-Hilfe Bielefeld CSD Vorbesprechung orga-Team treffen jeder is herzlichst eingeladen vorab Meldung,gern gesehn

Ich weiss, dass ich da altmodisch bin (man warf mir auch schon vor, ich würde elitär denken), aber

Morgen um 20h CSD Vorbesprechung / Orga-Team-Treffen in der AIDS-Hilfe Bielefeld. Jeder ist herzlich eingeladen. Voranmeldung gern gesehen.

würde mich deutlich mehr reizen, vorbeizuschauen. Nichts für Ungut.

14. Februar 2010

Valentinstags-Spezial: Gedanken über Beziehungen

Von überall werde ich mit Valentinstagswerbung, -grüßen, -SMS-Nachrichten und so weiter bombardiert. Das nehm ich dann mal zum Anlass, ein wenig über die Liebe und das Umgehen mit ihr zu schreiben. Achtung, dazu habe ich eine Menge zu sagen, ich stehe ja gerne auf der Seifenkiste, ne. :mrgreen:

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2. Februar 2010

Frauenprobleme

Filed under: Das Leben. Das Universum. Und alles. — Schlagwörter: , , — Feylamia @ 21:07

Analog zu vorhin möchte ich auch noch kurz über Männer nölen: Es gibt ziemlich viele Männer, die Sex und Liebe total gut trennen können. Das ist toll für euch, wirklich. Aber dass das nunmal nicht allen Frauen so geht, das sollte euch doch wirklich bekannt sein. Wie kann es also sein, dass es nach Dates, romantischen Gesten und ersten Anäherungsversuchen unweigerlich zum Sex kommt und ihr dann überrascht seid, wenn die Frau euch irgendwann darauf sagt, dass sie euch liebt? Ich meine, das mag euch ja selbst nicht so gehen, aber es muss euch doch bewusst sein, dass Frauen emotional einfach etwas anders ticken? Verstehe ich nicht.

(Jaja, okay, dann hatte ich heute also Gespräche mit Männlein und Weiblein über den Kampf der Geschlechter. Lasst mich das doch auch mal verwursten hier. ;))

Männerprobleme

Filed under: Das Leben. Das Universum. Und alles.,Mädchengedöns — Schlagwörter: , , , — Feylamia @ 20:27

Manche Frauen sagen a und meinen b. Gerne sagen sie auch a und erwarten, dass man z versteht. Oder k. Zwischendurch wollen sie angelogen werden, dann wieder nicht. Und dann wundern sie sich hinterher, wenn ihr Gegenüber nicht mehr weiss, was er tun soll. Selbst ich steige da nicht durch und ich bin selbst seit zig Jahren eine Frau, also kann es am Y-Chromosom der Männer nicht liegen, dass es da am Verständnis hapert.
Vielleicht könnten die Damen einfach mal direkt am Anfang eines Geschäftsmeetings, einer Beziehung, einer Freundschaft sagen, was sie wollen und erwarten und nicht hinterher mimimimimi machen und sich großangelegt beschweren, dass sie ja eigentlich alles ganz anders haben wollten und anders meinten und überhaupt. Ich meine, das muss denen doch öfter im Leben auffallen, dass fehlende Kommunikation der Bedürfnisse dazu führt, dass selbige nicht erfüllt werden können? Das kann doch keinen Spaß machen auf Dauer.

18. Mai 2006

Männerhirne: Ein Mysterium

Filed under: Augensüßkram,Das Leben. Das Universum. Und alles. — Schlagwörter: , , , — Feylamia @ 14:57

Mal im Netz gefunden, jetzt als passend empfunden.

Gestern Nacht geschah meiner besten Freundin das Unfassbare. Das Unmögliche. Das man- hat- zwar- oft- davon- gehört- es- aber- nie- für- möglich- gehalten- e: Sie wurde Feministin genannt weil sie ein Dateangebot ablehnte.

Das ereignete sich folgendermassen:
Ein Junge (ich wähle bewusst nicht den Begriff Mann, denn dieses Individuum scheint auf dem Weg zur Mannwerdung einige entscheidende Schritte verpasst zu haben.), nennen wir ihn einfach der X, war auf einer kulturellen Veranstaltung, auf der auch besagte beste Freundin zugegen war. Nun muss ich zu allererst anmerken, dass dieser Junge, dieser X, mit besagter Freundin auch schon im Email-Kontakt stand. Während diesem Kontakt fragte X besagte Freundin ungefähr elfhundertdrölf mal verschiedene Varianten der einen großen Frage: „Machst Du was mit mir? Gehst Du mit mir aus?“ Freundin, kluges Mädchen by the way, verneinte anfangs vermutlich etwas subtil. Später dann deutlicher. Dann wirklich deutlich. Nicht so „ich als Mädchen finde das irgendwie deutlich“ sondern wirklich ganz in echt deutlich. Holzhammer. Amboss. Ich habe noch nie jemanden so penetrant per Email nach Aufmerksamkeit betteln sehen, selbst nach der X-ten Absage.

Soviel zur Vorgeschichte.

Das Treffen beim bereits erwähnten Kultur-Event gipfelte in etwa in folgendem Gespräch:

der X: Gehst Du mit mir ins Kino?
Freundin: Nein.
der X: Warum nicht?
Freundin: Weil Du penetrant bist.
der X: bla blub Feministin!

Wie bitte!? Das ist ja wohl kaum zu fassen. Nur weil eine Frau nicht mit ihm ausgehen will, haut er da mal eben so den Begriff „Feministin“ raus? Ja kruzifix jessasmariaundjosef scheißdiewandan, weiß der denn nicht, dass Feministin und Lesbe schon lange nicht mehr das gleiche sind? Anders kann ich mir diese Verbaldiarrhoe nicht erklären. Oder meint der allen Ernstes, dass meine beste Freundin nur deswegen nicht mit ihm ausgeht, weil sie wählen darf? Oder weil sie gerne für die gleiche Leistung die ein Mann bringt auch genau so bezahlt werden will?
Der X hat von meiner Freundin schon so viele Körbe bekommen, der könnte glatt www.korbscout24.de aufmachen und reich werden. Und trotzdem hält er sich anscheinend tatsächlich für Gottes Geschenk an die geplagte Frauenwelt. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

11. Juli 2005

Sach ma, gayts noch? (har har)

Filed under: Queerschläger — Schlagwörter: , , , , — Feylamia @ 21:36

Ich sitze gerade im Zug am Laptop und mir ist langweilig, deswegen schreibe ich jetzt einige Dinge nieder, die ich der Welt schon immer mal sagen wollte.

Gerade war ich bei einer Freundin zu Besuch, das war sehr nett. Nicht nur, weil ich besagte Freundin sehr sehr gerne mag, sondern weil wir zu dritt und alle homosexuell waren. In einer idealen Welt (hui, englisch gedacht, deutsch geschrieben!) wäre das egal, in dem Deutschland in dem ich lebe (und ihr vermutlich auch) allerdings ist es das nicht. Bei den meisten anderen Leuten kommt früher oder später die Rechtfertigungsphase, denn, egal wie offen und tolerant Heterosexuelle sind, irgendwann beschweren sie sich, man würde seine Sexualität zu sehr nach aussen tragen. „Ich erzähle ja auch nicht ständig, mit wem ich ins Bett gehe!“ „Mir ist völlig egal, ob jemand auf Analsex, auf SM oder auf sein eigenes Geschlecht steht!“ sind nur zwei der vielen Kommentare, die ich schon bekommen habe. Ich kann mich nicht daran erinnern, ständig jemandem erzählt zu haben, wie der Sex mit T. ist.
Folglich komme ich zu dem Schluss, dass für viele Heterosexuelle Homosexualität nach wie vor keine „gleichwertige“ Form der Liebe ist, sondern schlichtweg auf den sexuellen Akt reduziert wird. Wieso ist das so? Bei Heten wie bei Homos gibt’s die gleichen sexuellen Vorlieben… der eine lebt sie halt mit dem anderen Geschlecht aus und der nächste mit dem eigenen.
Ähnlich sieht’s mit dem „Hihi, ein Schwuler – schnell den Arsch an die Wand“ und „Pass auf, die is‘ lesbisch!“ aus. Gibt’s irgendeinen Ratgeber in dem heterosexuelle Jugendliche erklärt bekommen, dass „Homosexueller“ nur ein anderes Wort für „omnisexueller Nymphomane“ ist? Ja, ich verliebe mich in Frauen. Nein, nicht in jede. Dafür würde meine Zeit gar nicht ausreichen, ausserdem bin ich mit meiner einen mehr als bedient. 😉
Und wo ich gerade dabei bin… JA, ein Outing ist nötig und keineswegs überflüssig. Wie oft habe ich schon gehört, dass wir uns durch unser Outing eher abgrenzen würden und wir, wenn wir nicht über unsere Sexualität reden würden, viel eher akzeptiert werden. Ich denke, vielen Menschen ist nicht bewusst, wie sehr homosexuelle Teenies auch heute noch leiden. Nicht nur, dass „schwul“ mittlerweile ein Synonym für scheisse ist, nein, auch die neue deutsche Rapwelle versichert uns jeden Tag aufs neue, dass Schwuchteln das allerletzte sind und Lesben dagegen nur fickgeile Luder, die nur mal ’nen richtigen Schwanz brauchen. (Auch ein Spruch, den ich so schon zu hören bekommen habe.) Liebe Kinder, das stimmt so nicht. Guckt weniger Pornos und mehr vernünftige Filme!
Die Welt in der ich aufgewachsen bin ist heterosexuell geprägt. Und zwar ohne Ende. Einziges mögliches Vorbild das ich hatte war Hella von Sinnen… naja, und später dann Martina Navratilova (sp?). Beide nicht unbedingt erstrebenswert… wobei ich anscheinend dem Fräulein von Sinnen ähnlicher geworden bin, als mir und meinem Umfeld lieb ist. Vielleicht sind wir aber auch beide nur zufällig lesbisch, dick und lustig und das reicht schon, um sich irgendwie ähnlich zu sein.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich früher dachte, ich müsse wohl ein Junge sein, weil ich in Anzug und Krawatte (von Papi gemopst) die Puppe meiner Mama heiratete. Und sowas tun ja wohl nur Jungs. Ich konnte auch eher Krawatten binden als mich schminken. (Und bin immer noch besser darin…) Kurzum: Ich war ein richtiger kleiner Tomboy. Geschnallt, dass ich lesbisch bin, habe ich letztendlich erst zu der Zeit als ich Abi machte. Vorher habe ich mich in Frauen verliebt aber als bi bezeichnet, weil… ja, warum eigentlich? Weil man einfach nicht lesbisch ist, basta. Das gehört sich halt irgendwie nicht, die Nachbarn könnten’s ja erfahren. Und dann denken die womöglich, meine Eltern hätten was falsch gemacht, dabei haben sie alles, alles richtig gemacht. Ohne meine Mutter hätte ich das nicht so schnell gepackt, dass ich eben anders und trotzdem okay bin. Madame erzählte mir auch später, sie hätte es schon gewusst, seit ich dreizehn bin… hätte sie’s mir bloss gesagt, sie hätte mir viel Elend erspart. 😉

Ich kann mich daran erinnern, wie meine Biolehrerin mir mal scherzhaft sagte: „Carolin, wenn Du immer diesen schwarzen Nagellack trägst kriegst Du nie ’nen Jungen ab, das strahlt Tod und Verwesung aus. Probier’s doch mal mit Rot!“. Ich habe bis heute keinen roten Nagellack.
Egal, was ich eigentlich sagen wollte: So lange wie als default-Wert Heterosexualität angenommen wird, so lange müssen wir uns outen. Um uns zu ersparen, bei Familienfesten gefragt zu werden, ob wir denn ’nen Freund haben, während wir eigentlich nur in die Welt schreien wollen, dass wir ’ne Freundin haben und die Frau die tollste Frau der Welt ist.

Wer meint, ein Outing sei überflüssig, der sollte sich die Mühe machen, mal einen Tag in die Welt zu gehen, Homosexualität als Default-Wert anzunehmen und sich die Reaktionen angucken. Zählt einfach mal, wie oft ihr am Tag mit Heterosexualität konfrontiert werdet und wie oft mit Homosexualität. Ihr werdet überrascht sein.

*runter von der seifenkiste (oooh schon wieder englisch gedacht) und ab ins bett*

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